Freitag, 26. November 2010

World Trade Center // Kapitel 4

Bella lehnte sich gegen die Fahrstuhlwand. Jasper beobachtete sie schon eine Weile. Dann schweifte sein Blick zu Alice. Sie betätigte immer wieder im Wechsel den Schalter für den Notruf und den Knopf für das Erdgeschoss. Das Drücken der Knöpfe hallte in der bedrückenden Stille wieder. Eine nie endende Schleife des nervenden Geräusches breitete sich in Jaspers Kopf aus. Es schien überall zu sein. Er fühlte sich wie ein Irrer. Bedrückt von der Stille. Eingeengt durch den kleinen Raum und Sauerstoff arm, durch die anderen drei. Er explodierte. „Verdammt noch mal! Hör auf! Das bringt doch nichts. Wir haben keinen Empfang, der Fahrstuhl ist betriebsunfähig. Was du da machst ist sinnlos und lässt die Spannung nur wachsen. Wir warten alle auf den Tod. Und du machst es damit sicher nicht besser!“ Alice fuhr herum. Tränen der Wut und der Verzweiflung glitzerten in ihren grauen Augen. Sie wandte den blick ab und sackte an der Fahrstuhltür zusammen. „Als ich hier rein kam habe ich meiner kleinen Schwester noch eine SMS geschrieben. Ich hab mich so gefreut. Endlich in New York, endlich im Sagen um wogenden World Trade Center. Ich hab so angegeben. Eine Studienreise nach New York. Das bekommt man nicht so leicht. Cynthia hat geweint, as ich ging. Ich weiß noch, als ich sie zum ersten Mal sah. Im Krankenhaus roch es so steril, ich musste mir die Hände desinfiziere, aber das war es wert. Ich liebe meine Schwester so, sie ist meine beste Freundin. Und du…!“, Alice wurde so laut, dass Jasper Angst vor dem kleinen zierlichen Wesen bekam, das sich gerade drohend vor ihm aufbaute. „Du willst mir jetzt wirklich verbieten, die letzte Möglichkeit zu nutzen hier raus und zurück zu ihr zu kommen? Das ist so mies von dir. Hattest du nicht selbst einen Bruder und…“, Alice brach  ab. Jasper konnte nicht mehr richtig atmen. Die Erinnerungen waren wieder frisch wie am ersten Tag. Sein Bruder. Darren. Vielleicht  würde er ihn wieder sehen, wenn es jetzt und hier starb? Jasper hatte immer geglaubt, Tränen würden die Männlichkeit ruinieren, dass hatte sein Vater ihm eingebläut. R sollte immer kalt wirken, dann kann einem niemand Schmerzen zu fügen. Also hatte Jasper damals nicht geweint. Doch jetzt liefen die stummen Tränen rasant und brennend seine Wangen hinunter. Alice presste die Lippen zusammen und sah mitleidig aus. „Es tut mir leid, das wollte ich nicht…“, brachte sie völlig fertig und überfordert hervor. Aber fertig waren sie alle. Ihre Nerven waren am Ende. Auf engsten Raum eingesperrt zu sein war wahrlich noch nie ein Vergnügen. Aber unter diesen Umständen…das sorgte bei jedem für einen Kurzschluss. Alice streckte die Hand aus um Jasper zu trösten, aber er schlug sie grob weg. Sie war doch der Grund für den neu auflodernden Schmerz, sie sollte ihn nicht trösten. Sie durfte es nicht. Das war nicht richtig, denn sie hatte doch die schlimmen Erinnerungen zurückgeholt, als wäre es vor wenigen Minuten erst geschehen. Da merkte Jasper, das er sic eine weitere Norm von seinem Vater hat eingeprägt. Und auch diese war falsch, wie so vieles, was sein Vater ihm immer wieder beigebracht hatte. Alice wollte sich entschuldigen, und Jasper war auch nicht nett gewesen. Er sah von seinen Schuhen auf und ging auf Alice zu, um sie in de Arm zu nehmen, und es zuzulassen. Zuzulassen, dass sie ihm Trost spendete, und einen Teil des verdrängten Kummers beiseite wischte. Und Alice war für ihn da. Sie hielt ihn, war sein Halt. Und nur für eine Minute fühlte Jasper sich geborgen. Er war zu Hause, bei einer Person die ihn verstand. Edward schaute trüb lächelnd zu den beiden hinüber. „Ich habe auch eine Schwester. Eine Zwillingsschwester, um genau zu sein. Rosalie. Sie wollte heute mit mir Essen. Aber ich wollte lieber zu diesem beklopptem Meeting. Ich…“, leise brach Edward ab, seufzte und starrte an die immer noch geöffnete Luke. „Wie eine Entscheidung doch das Leben verändern kann.“, murmelte Bella und ungewollt waren alle Augen auf sie gerichtete. Sie öffnete de Mund, um ihre Worte raus zu lassen, als ein lauter, langwieriger Knall zu ihnen durchdrang.

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